Ökokonten
Ein Ökokonto ist ein Instrument des Naturschutzes, mit dem Maßnahmen zur Aufwertung von Natur und Landschaft frühzeitig umgesetzt werden können. Auf dafür vorgesehenen Flächen entstehen neue oder verbesserte Lebensräume – etwa durch Heckenpflanzungen, die Entwicklung von Laubwäldern, Feuchtbiotopen oder artenreichen Wiesen. Der ökologische Zugewinn wird nach festen Kriterien bewertet und in Ökopunkten erfasst. Diese Punkte lassen sich später einem konkreten Eingriff, etwa im Rahmen von Bau- oder Infrastrukturmaßnahmen, zuordnen. Wer einen Eingriff ausgleichen muss, kann diese Ökopunkte erwerben und als anerkannte Kompensationsleistung nutzen.

Ökokonten ermöglichen
"Naturschutz entfaltet seine Kraft dort, wo wir Mut zu langfristigen Entscheidungen haben."

Bernhard Termühlen
Geschäftsführer
Mit den Ökokonten schafft die Termühlen Stiftung wertvolle Naturräume, bevor Eingriffe entstehen. Dadurch können Ausgleichsmaßnahmen vorausschauend geplant, sinnvoll gebündelt und ökologisch wirksamer umgesetzt werden.
Die so ökologisch aufgewerteten Flächen haben Zeit, sich zu entwickeln – Pflanzen, Tiere und ganze Lebensräume profitieren von langfristiger Pflege und Stabilität. Gleichzeitig stärken die Einnahmen aus Ökopunkten den Kapitalstock der Stiftung. Das ermöglicht ihr, dauerhaft Vorhaben zu fördern, die Natur schützen und dem Wohl der Menschen dienen.
Überblick aktueller Ökokonten
Ökokonto Bietegast
Gemeinde Garz / Insel Rügen
In der Gemarkung Bietegast entstand auf 70.000 m" ein weiteres Ökokonto zur ökologischen Aufwertung einer bislang intensiv landwirtschaftlich genutzten Fläche. Das Gebiet liegt im Landschaftsschutzgebiet Südwest-Rügen-Zudar und grenzt im Süden an bestehende Wälder, im Norden an einen Graben mit begleitender Vegetation.
Die Maßnahme setzt auf die Entwicklung eines heimischen Waldes durch Sukzession und eine horstweise Initialpflanzung auf rund 21.000 m". Die zentrale Pflanzfläche wurde so gestaltet, dass sich der Wald in alle Richtungen frei entwickeln kann. Der dauerhafte Nutzungsverzicht und der Wegfall von Dünger- und Pflanzenschutzmitteln verbessern Boden, Wasserhaushalt und lokales Klima deutlich.
Die Pflanzung umfasst standortgerechte Baum- und Straucharten wie Stiel- und Trauben-Eiche, Winter-Linde, Wild-Birne, Schneeball, Pfaffenhütchen und Hasel.
Auch hier schützt ein wildsicherer Zaun die Fläche in den ersten Jahren, so dass ein stabiler, natürlicher Wald entstehen kann.
Mit einer errechneten ökologischen Wertsteigerung von über 213.000 Kompensationsflächenäquivalenten leistet das Ökokonto einen bedeutenden Beitrag zur Sicherung naturnaher Lebensräume im Süden Rügens.
Ökokonto Grabow
Gemeinde Garz / Insel Rügen
In Grabow auf der Halbinsel Zudar wertete die Termühlen Stiftung Mensch & Natur eine vormals landwirtschaftlich genutzte Fläche von über 37.000 m² ökologisch auf. Durch die Aufgabe der intensiven Nutzung und die gezielte Aufforstung entstand ein naturnaher Waldsaum, der geschützte Biotope in der Umgebung miteinander verbindet und die ökologische Vernetzung der Landschaft nachhaltig verbessert. Die Maßnahme schafft neue Lebensräume und stärkt gleichzeitig bestehende Strukturen, sodass sich Tiere und Pflanzen zwischen den einzelnen Biotopen besser ausbreiten können.
Auf der Fläche wurden standortgerechte Baum- und Straucharten wie Stiel-Eiche, Rot-Buche, Schwarz-Erle und Vogel-Kirsche gepflanzt. Sie prägen den Naturraum Rügens und bilden die Grundlage für einen artenreichen, stabilen Waldrand. Mit zunehmendem Wachstum entstehen unterschiedliche Vegetationsschichten, die zahlreichen Insekten, Vögeln, Kleinsäugern und weiteren heimischen Arten Nahrung, Schutz und Brutmöglichkeiten bieten. Gleichzeitig trägt der neue Waldsaum dazu bei, den Übergang zwischen Offenland und Wald naturnah zu gestalten und die ökologische Vielfalt des gesamten Landschaftsraums zu erhöhen.
Auch hier wird die Entwicklung der Fläche durch eine kontinuierliche Pflege begleitet, damit sich der junge Waldbestand dauerhaft etablieren kann. Mit der Zeit entsteht so ein widerstandsfähiger Lebensraum, der natürliche Entwicklungsprozesse zulässt und seine ökologische Funktion immer stärker entfaltet. Als Rückzugsraum, Vernetzungselement und wertvoller Bestandteil des regionalen Biotopverbundes leistet das Gebiet dieses Ökokontos einen langfristigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt auf der Halbinsel Zudar.
Ökokonto Poissow
Gemeinde Gustow / Insel Rügen
Die Landschaft rund um Poissow gehört zu den besonders attraktiven Naturbereichen Rügens. Um diese Qualität zu erhalten und weiterzuentwickeln, wurden in zwei aufeinanderfolgenden Maßnahmen insgesamt rund 40.000 m2 landwirtschaftlicher Flächen ökologisch aufgewertet.
Poissow I – Initialpflanzung & Waldrandentwicklung
Auf einer 22.153 m großen Fläche wurde eine standortgerechte Waldentwicklung angestoßen. Da die Böden zuvor entwässert und verdichtet waren, wirkt die Aufforstung gleich mehrfach positiv:
Sie verbessert den Bodenaufbau, schützt vor Erosion, fördert die Grundwasserneubildung und entlastet angrenzende Kleingewässer durch den Wegfall von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln.
Der entstehende Waldrand bietet zudem wertvolle Strukturvielfalt – ein entscheidender Faktor für Arten wie Seeadler, Rotmilan, Kranich sowie Gras- und Laubfrösche.
Poissow II – Erweiterung des Biotopverbunds
Auf weiteren 18.000 m² – davon 14.740 m² ehemaliger Acker – wurde eine horstweise Initialpflanzung mit heimischen Baumarten durchgeführt. Die Fläche liegt im Landschaftsschutzgebiet Ostrügen und grenzt unmittelbar an bestehende Waldstrukturen. Durch den großen Anteil unbepflanzter Entwicklungsflächen konnte Raum für natürliche Sukzession gelassen werden, sodass sich der Wald eigenständig ausbreiten kann.
Auch hier wird der Boden dauerhaft entlastet, das Landschaftsbild aufgewertet und der regionale Biotopverbund sichtbar gestärkt.
Ökokonto Prosnitz
Gemeinde Gustow / Insel Rügen
Die Prosnitz-Halbinsel ist geprägt von Waldlandschaften, die für Klima, Bodenqualität und Artenvielfalt von großer Bedeutung sind. Mit den beiden Ökokonten Prosnitz I & II leistet die Stiftung einen umfassenden Beitrag zur Entwicklung naturnaher Waldbestände.
Prosnitz I – Erstaufforstung & Naturwaldentwicklung
Auf einer Gesamtfläche von 58.896 m² wurden zwei Maßnahmen umgesetzt:
Durch Erstaufforstung entstand auf 40.579 m² ein neuer Wald aus standortgerechten Arten wie Trauben-Eiche und Sandbirke. Der junge Waldrand wurde mit Pfaffenhütchen, Schlehe, Eberesche und Vogelkirsche aufgebaut und für mehrere Jahre wildsicher eingezäunt.
Auf 18.317 m² wurde ein Nutzwald in Naturwald umgewandelt. Dazu wurden standortfremde Hybridpappeln und Fichten entfernt, um eine natürliche Waldentwicklung zu ermöglichen. Ein zusätzlicher Pufferstreifen schützt die angrenzenden Feuchtbereiche und bietet Tieren einen ruhigen Rückzugsraum.
Prosnitz II – Großflächige Erstaufforstung
Auf 136.000 m² wurde ein weiterer Wald neu angelegt – ebenfalls ausschließlich mit heimischen, standortgerechten Arten. Der dauerhafte Nutzungsverzicht und der Aufbau junger Waldbestände fördern Biodiversität, Klimaresilienz und die ökologische Stabilität der gesamten Halbinsel.
Durch die genannten Maßnahmen beider Gebiete entstehen humusreiche Waldböden, neue CO2-Speicher und langfristig widerstandsfähige Waldlebensräume.
Ökokonto Saiser Bach
Gemeinde Gustow / Insel Rügen
Entlang des Saiser Baches – einem bedeutenden Verbindungselement zwischen den Wostevitzer Teichen und dem Kleinen Jasmunder Bodden – trägt die Termühlen Stiftung dazu bei, wertvolle Feucht- und Uferlebensräume langfristig zu sichern und weiterzuentwickeln. Der Bach verbindet unterschiedliche Lebensräume miteinander und übernimmt damit eine wichtige Funktion für den Biotopverbund in der Region. Ziel der Maßnahme ist es, natürliche Entwicklungsprozesse zu fördern und einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt dauerhaft geeignete Lebensbedingungen zu bieten.
Auf einer rund 9.486 m² großen Feuchtgrünlandfläche wurde eine extensive, standortangepasste Bewirtschaftung aufgenommen. Dadurch bleiben die typischen Strukturen artenreicher Feuchtwiesen erhalten, ohne den empfindlichen Naturraum unnötig zu beeinträchtigen. Gleichzeitig wurde auf mehr als 31.000 m² uferbegleitendem Wald jede forstwirtschaftliche Nutzung dauerhaft eingestellt. Die Uferbereiche können sich dadurch wieder naturnah entwickeln und ihre ökologische Funktion als Rückzugs-, Brut- und Nahrungsraum für zahlreiche Tierarten erfüllen.
Von den verbesserten Standortbedingungen profitieren insbesondere Pflanzen und Tiere, die auf feuchte, nährstoffarme Lebensräume angewiesen sind. So finden unter anderem Orchideenarten wieder bessere Voraussetzungen, sich auszubreiten und dauerhaft zu etablieren. Gleichzeitig entstehen strukturreiche Übergänge zwischen Wald, Gewässer und Offenland, die vielen Insekten, Amphibien, Vögeln und weiteren heimischen Arten zugutekommen.
Die kontinuierliche Pflege und Entwicklung der Flächen schafft die Grundlage dafür, dass sich natürliche Lebensgemeinschaften dauerhaft entfalten können. So wird nicht nur die biologische Vielfalt gestärkt, sondern auch die Funktion des Saiser Baches als ökologisches Bindeglied zwischen den umliegenden Schutzgebieten nachhaltig gesichert und der Landschaftsraum langfristig aufgewertet.
Ökokonto Vorwerk
Gemeinde Poseritz / Insel Rügen
Im Bereich Vorwerk wertete die Stiftung eine 4.275 m² große Fläche im Landschaftsschutzgebiet Ostrügen durch eine gezielte Erstaufforstung ökologisch auf. Die Nähe zu naturnahen Feldgehölzen und einem Kleingewässer macht die Fläche besonders wertvoll für den Biotopverbund.
Durch die Pflanzung von Stiel-Eiche, Buche, Birke, Aspe, Wildobst und Elsbeere entstand hier eine kleine Waldinsel, die künftig als Trittsteinbiotop wirkt.
Eine mehrjährige, wildsichere Einzäunung unterstützt die natürliche Entwicklung des jungen Waldes und schafft langfristig einen stabilen, artenreichen Lebensraum.
Gut zu wissen
Ein Trittsteinbiotop ist ein gezielt angelegter, naturnaher kleiner Lebensraum, der als Zwischenstation dient und verloren gegangene Verbindungen zwischen größeren Biotopen wiederherstellt. Es erleichtert Arten die Wanderung über zerschnittene Landschaften hinweg, unterstützt Ausbreitung und genetischen Austausch und hilft ihnen, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Wie ein Trittsteinbiotop gestaltet wird, richtet sich stets nach den Bedürfnissen der jeweiligen Art und stärkt die ökologische Vernetzung sowie die Widerstandskraft ganzer Landschaften.
Ökokonto Wesselin
Gemeinde Poseritz / Insel Rügen
Im Naturraum Wesselin wurden rund 21.170 m² zu einem ökologisch wertvollen Waldstandort entwickelt. Die Fläche liegt vollständig im Landschaftsschutzgebiet Ostrügen und grenzt an mehrere geschützte Biotope. Durch ihre Lage trägt sie dazu bei, bestehende Lebensräume zu ergänzen und den Biotopverbund in der Region langfristig zu stärken.
Auf 19.100 m² entstand ein neuer Wald durch eine Kombination aus Initialpflanzung und natürlicher Sukzession. Ein ausreichender Abstand zu den benachbarten Feuchtbiotopen schützt deren sensible Strukturen und ermöglicht gleichzeitig eine naturnahe Entwicklung der neuen Waldfläche. Die Fläche ist für mehrere Jahre wildsicher eingezäunt, sodass sich die junge Vegetation störungsfrei etablieren kann. Ergänzend wurde ein stufig aufgebautes Feldgehölz mit heimischen Arten angelegt – ein wichtiges Struktur- und Rückzugselement für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
Zur Entwicklungspflege gehören regelmäßige Mahd, Nachpflanzungen, Bewässerung bei Bedarf und der spätere Abbau der Schutzeinrichtungen. So entsteht Schritt für Schritt ein stabiler Waldlebensraum, der die ökologische Vielfalt fördert, den Biotopverbund stärkt und den Naturraum dauerhaft aufwertet.

